Der Friedenszug aus entwaffneten Zinnsoldaten reiste im April 2026 nach Köln, wo er als partizipative Kunst im Rahmen der 15. Mülheimer Nacht gezeigt wurde. Dies in Zusammenarbeit mit der Peace-Meisterkleisterei des Berner Künstlers Beat Gipp (Beitragsbild „Das Desertier“): Die Besuchenden waren eingeladen, sich am Kunstprojekt zu beteiligen, selbst Zinnsoldaten zu entwaffnen, diese in den Zug einzureihen und überdimensionale Friedenszeichen zu kleistern.
Eine kurze Geschichte unseres Abenteuers in 5 Minuten:
Nach der Ausstellung hielt der Baptisten-Pastor Alexander Fritzsche am 26. April 2026 eine aktuelle und spannende Rede zum Frieden und zu unserer Aktion, unbedingt hörenswert:
Der ganze Friedenszug, wie er in Köln zu sehen war … (Filmchen von Michael Lambeck, bitte hier klicken).
Wir danken den Mülheimer Baptisten für ihre Einladung zur Teilnahme an der 15. Mülheimer Nacht der Kunst. Sie stellten uns den Raum, die Zeit und ihre Unterstützung zur Verfügung, unser partizipatives Projekt zu präsentieren. Absolut nachahmenswert!

Ein Warm-up zu unserer Aktion in Köln fand am 8. April 2026 im @offy_the.off.space in Bern statt.
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Zur Entstehung des Friedenszuges:
Im Frühjahr 2022 erhielt ich von einer Bekannten den Hinweis, dass auf dem Dachboden einer Freundin viele grosse Kartons voller Zinnsoldaten gelagert seien. Das Haus müsse geräumt werden, für die Spielfiguren bestehe keine Nachfrage. Nicht einmal fürs Recycling könnten sie verwendet werden.
Ich lehnte ab, für Zinnsoldaten bestand auch bei mir kein Interesse. Die Bekannte liess nicht locker und erzählte, wie die Sammlung geordnet und verpackt sei. „In kleinen Holzboxen, die wiederum kleine Schächtelchen enthalten, fein säuberlich beschriftet und mit feinen Papierchen ausgelegt.“ Als ich das hörte, änderte ich meine Meinung. Ich erstand 2/3 der Sammlung und würde nur Papier und Karton für meine Kunst behalten.

Projektidee: Ein 30 Meter langer Friedenszug von mehreren Tausend Zinnsoldaten zieht an den Betrachtenden vorbei. Der Umzug läuft über schmale Holzstege, schlängelt sich an Fenstern vorbei, zieht weiter über einen Mauervorsprung und schliesst den ganzen Raum mit ein. Es handelt sich bei den bunten Friedenskriegern um ehemalige Soldaten. Heute gehen sie ohne Waffen, farbig gekleidet und begleitet von Ballons, Marshmallows, Musik und ihren Tieren. Sie alle wurden mit einer Zange entwaffnet und mit Acrylfarbe in hippieske Friedensstifter verwandelt. Die Männchen kommen aus allen Erdteilen, sie haben unterschiedliche Hautfarbe und Funktionen. Infanteristen, Feuersturm, Kavallerie, Kanoniere … sie alle werden zu Friedenssoldaten. Sie reiten auf getupften Pferden, halten Ballons oder Drachen, tragen Federnschmuck, essen Lollypops oder spielen mit einem Diabolo. Das Projekt sollte in Zusammenarbeit mit jungen Menschen realisiert werden.
Zusammenarbeit: Die Idee wurde von Oliver Lanz vom Gymnasium Burgdorf aufgegriffen, er anerbot seine Unterstützung mit drei Schulklassen, die er in Bildnerischem Gestalten unterrichtet. Regula Stucki besuchte die Klassen und erklärte Idee und Vorgehensweise. Die SchülerInnen waren frei bei der Verwandlung ihrer Zinnfiguren. Voraussetzung war, dass diese sich in den grossen Strom der Demonstranten einfügen können.

Fotos: Oliver Lanz, Burgdorf
Spontan beteiligte sich eine Gruppe von Frauen aus der Umgebung, die ich gerade bei einem Aufenthalt im Ausland kennen gelernt hatte, am Projekt. So entstanden weitere MitläuferInnen:

Ausstellung: Der Friedenszug wurde in der Kulturmühle in Lützelflüh zum ersten Mal einem grossen Publikum präsentiert (18. Oktober bis 3. November 2024). Interesse von Presse und Besuchenden war gross. An einem Ateliertisch konnte jede und jeder einen oder mehrere Zinnsoldaten entwaffnen, neu bemalen und in das Kunstwerk einfügen.


Clip Friedenszug in Lützelflüh (während dem Aufbau)
Presse:
PDF Berner Zeitung 17. Oktober 2024
PDF Gewerbezeitung vom 18. Oktober 2024
PDF Wochen-Zeitung vom 24. Oktober 2024




